Vor Himmlers Leiche

Da liegt er nun, auf der Nase die Brille,
Eine Karikatur nach Heinrich Zille.
Da liegt er, der Hund, der Mörder vor Gott.
Leider entwich er dem Schafott:
Schade!
Ich sehe ihn noch bei einer Parade
Neben bügel und Göring. Eitel und dumm
Drehte er sich zur Kamera um.

In der Wochenschau.
Neben mir saß eine Frau
Und sagte: „Dem ist noch ein Jahr geschenkt,
Dann wird er gehängt!-
Nun ist er tot, aber nicht gerichtet,
Nein, feige nur aus der Welt geflüchtet,
Der Untermensch, der vom Mord nur gelebt. –
Vor dem ein Volk in Angst gebebt.
Wer zählt die Toten und die ihm fluchen?
Die Frauen, die ihre Männer suchen,
Wer zählt die Greuel und die Gebeine,
Die Taten des Schuftes und seiner Schweine?
Die Massengräber klagen an:
Himmler, das hast du getan,
Was ist nun zu tun? Nur fluchen und hassen?
Nein, nein, wir müssen das Große erfassen
Und tilgen die Schuld im Aufbau der Welt,
Dann wird unser Leben von neuem erhellt,
Erhellt von dem Schönen, erhellt vom Licht,
Das ist unsere Pflicht

Erschienen in „Gedichte der Zeit“ von William Becher, Volksbücherei Singen a.H., 1946

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