Charles de Baudelaire

Ergreift am Abend, wenn die Farben sterben,
Mich Furcht und Grauen vor dem Einsamsein,
ist du mir Zuflucht, kehr ich bei dir ein,
In deinen Tempel und in dein Verderben.

Hier trinke ich, bis mich ein Rausch gefangen,
Ist doch dein Wort wie schwerer dunkler Wein.
Und deine Rhythmen fassen prunkvoll ein,
Was Tod und Leben, Nacht und Weib verlangen.

Du bist die Sünde. Auf dem Lotterbette
Ein König, der die Königin verführt. —
Treulos dir selbst, doch treu dem Gott in dir,

Geschmiedet an der Schwermut harter Kette, hell VOm Gestirn des Genius berührt,
Du Trost der Nacht im dunklen Kampfe mir.

26.11.1949, nachmittags 4-5 Uhr

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