Am Bahnhof

Hier kam das Glück, hier ist es fortgegangen
Und ließ mich ganz allein
Im Frühlingswind, im Herbste, schwarz verhangen In Winterskälte bei beschneitem Stein.
Nun glänzt im Sonnenlicht der Schienen Band,
Viel Gräser silbern zitternd froh hervor.
Der Ost flieht spröde in das tiefe Land,
Die Drähte schwirren klingend an das Ohr.
Oh Heimat, Ziel, wohin lockst du das Sehnen,
Wo sind die Menschen all, die ich gekannt?
Vom Wind verweht sind ungeweinte Tränen,
Groß ist der Schwermut Bogen ausgespannt.
Hier das Glück, hier ist es fortgegangen
Und ließ mich einsam sein.
Hier ist ihr Blick an meinem Mund gehangen,
Hier wartete ich oft die langen, langen
Verlornen Stunden stumm und regungslos. ‑
Ein Mensch ist nichts – das Leben weit und groß.

31.August 1940

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