Abwägung

An den Ufern des Zürichsees saß ich oft
Und betete Iächelnd die Mädchen an.
Ich glaubte an ihr Engelsgesicht
Und dachte: Wie niedrig ist der Mann!
Und schrieb verzücktes Gedicht,
Später, als ich reifte und wissend ward,
Die Dinge erkannte, wie sie sind,
War ich zu mir und den Frauen hart
Und blieb dennoch zart wie ein Kind!
Ich traute nicht mehr dem Märchenschein,
Die Seen des Auges sind tief-
Doch fühl ich mich groß in die Frauen ein,
mit denen ich einstmals schlief
Ach, eine, die war schwarz und bleich.
Ich küsste den tanzenden Fuß,
Nun ist sie verloren- fern und reich,
Sie schickt mir noch manchen Gruß!
Und eine, die steht mir zur Seite treu
Und heimatlich ist ihr Schoss.
Die Blonde ist weit im Norden verweht.-
Die Braune nah und verflucht!
Sie ists, die düster vor mir steht,
Mit Blut im Erinnern sich bucht!

Gedichte A bis Z